Auch Abwasser wird zur Ressource

Wir machen Wasser rein und wiederverwendbar

Er ist der Verantwortliche für den Bereich Trink- und Abwassertechnik: Hier erzählt Martin Atzwanger, Delegierter des Verwaltungsrates, von den Herausforderungen und Besonderheiten dieses Geschäftszweiges bei ATZWANGER.

Wann entstand der Geschäftszweig Trink- und Abwassertechnik?

„Wir waren bereits Experten im Bereich der Badewasseraufbereitung. Der Filterprozess beim Trinkwasser ist grundsätzlich ähnlich, also ein naheliegender Bereich. Anders ist es beim Abwasser: Dieses Thema wurde für uns bei ATZWANGER interessant, als in Südtirol in den 1980er Jahren die ersten zentralen Kläranlagen errichtet wurden. Als erfahrene Anlagenbauer konnten wir uns auch in diesem Bereich das nötige Knowhow rasch aufbauen. Da das Land das Baukollegium der Autonomen Provinz Bozen mit dem Bau mehrerer Kläranlagen – unter anderem jene von Bozen, ARA Tobl in Sankt Lorenzen und Innichen – beauftragt hatte, wurde ATZWANGER mit dem technischen Teil betraut. So entstanden mit der Zeit eine eigene Abteilung und daraus schließlich ein ganzer Unternehmensbereich.“

Wo liegen die Stärken?

„Wir haben immer versucht, die technologisch besten Lösungen zu entwickeln und anzubieten. Durch Technologie-Scouting, durch die konstante Suche nach neuesten Entwicklungen, können wir auch äußerst komplexe Anlagen realisieren – maßgeschneidert auf die jeweiligen Anforderungen. Außerdem haben wir eine eigene Abteilung, die sich um die öffentlichen Ausschreibungen sowie die dafür notwendigen Zertifizierungen und Eintragungen kümmert.“

Welche Rolle spielt die Trinkwasseraufbereitung?

„Dafür gibt es relativ wenig Nachfrage, denn bei uns in Südtirol ist das Trinkwasser eigentlich sehr gut. Für spezielle Anliegen wie etwa dem Eliminieren von Verunreinigungen mit Arsen oder Eisen Mangan oder zur Reduzierung des Säuregehaltes im Trinkwasser haben wir spezifische Anwendungen entwickelt.“

Anders schaut es bei den Kläranlagen aus …

„In Südtirol haben wir von ATZWANGER mittlerweile sämtliche Kläranlagen von Grund auf neu gebaut oder über die Jahre erweitert und erneuert. Es gibt landesweit nur fünf Betreiber und zu diesen haben wir dank unserer konstanten Leistung ein echtes Vertrauensverhältnis.

Aber auch wichtige Projekte für die großen italienischen Anlagenbetreiber wie SMAT in Turin, IREN in Parma, Acquedotto Pugliese in Bari oder außerhalb Italiens stammen von uns. In Litauen etwa haben wir die größte Kläranlage der Hauptstadt Vilnius für die Stadtwerke Vilnius Vandenys runderneuert, die eine Reinigungsleistung von 900.000 EWG (Einwohnergleichwerten) hat. In Kroatien konnte unser ATZWANGER-Team eine innovative, modular aufgebaute Kläranlage für die Adriastadt Rovinji projektieren und realisieren.“

In Kläranlagen geht es nur um die Reinigung des Wassers?

„Das ist natürlich die Hauptaufgabe und wir verwenden dafür in passenden Situationen eine Membrantechnologie – die modernste Möglichkeit, Wasser zu reinigen und für verschiedene Anwendungen wieder nutzbar zu machen.

Kläranlagen können aber auch als Energieproduzenten funktionieren. Ein Beispiel dafür sind die Kläranlagen Branzoll oder die vor kurzem fertiggestellte Erweiterung der Anlage in Sinich/Meran, wo Industrieabwässer mit hohem organischem Anteil in Reaktoren für anaerobe Hochlastgärung geleitet werden. Dort wird das organische Material durch einen biologischen Prozess in Biogas verwandelt. Daraus entstehen wiederum Wärme und Strom. Diese Anlagen funktionieren sogar autark und speisen den Überstrom ins Netz. Außerdem entsteht auch noch Klärschlamm, eine Problematik, auf die wir bei ATZWANGER ein besonderes Augenmerk legen.“

Worum geht es beim Klärschlamm?

„Klärschlamm wurde bisher entwässert, eventuell getrocknet und entweder kompostiert oder in der Landwirtschaft ausgebracht. Allerdings hat man mittlerweile erkannt, dass sich im Klärschlamm auch immer mehr Verunreinigungen wie z. B. Microplastik, Hormone, usw. ansammeln, die durch die Ausbringung in den Lebensmittelkreislauf gelangen können.

Die einzige sinnvolle Entsorgungsmöglichkeit für Klärschlamm wird deshalb in naher Zukunft nur die Monoverbrennung sein. Dadurch wird das Volumen reduziert, die Schadstoffe werden eliminiert und aus der übriggebliebenen Asche, die reich an Phosphor ist, kann dieser wichtige Dünger für landwirtschaftliche Zwecke zurückgewonnen werden. In nächster Zukunft sollen solche Entsorgungsanlagen in Europa, Italien und auch in Südtirol gebaut werden.“